Wer gut essen will, kauft Aktien,
wer gut schlafen will, kauft Anleihen.

André Kostolany, ungarischer Börsenguru (9.2.1906 – 14.9.1999)

Wenn wir eine bedeutende Anschaffung tätigen wollen – zum Beispiel ein Auto, ein Appartement oder ein Haus kaufen wollen – kann es gut sein, dass das Geld das wir angespart haben, dafür nicht ausreicht. Wir wenden uns dann an unsere Bank, um Geld zu leihen, das wir dann über einen mehr oder weniger langen Zeitraum zurückzahlen.

Manchmal aber ist das benötigte Darlehen so hoch, dass eine Bank allein über nicht ausreichend finanzielle Mittel verfügt, um es zur Verfügung zu stellen, oder das mit einem so hohen Kredit verbundene Risiko nicht alleine eingehen will. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Unternehmen den Bau einer neuen Fabrik finanzieren will, eine Kommune Geld für ein neues Wohnungsbauprojekt braucht oder eine Regierung eine neue Autobahn bauen will.

Nehmen wir das Beispiel eines Unternehmens, das 500 Millionen Euro für den Bau einer neuen Fabrik benötigt. Es wird wahrscheinlich keine Bank finden, die ihm die gesamte Summe leihen wird. Anstatt zu versuchen, bei einer einzigen Bank die gesamten 500 Millionen Euro zu leihen, kann das Unternehmen beschlieβen, diesen Betrag auf sehr viel mehr Geldgeber zu verteilen und hunderte, wenn nicht tausende Sparer bitten, ihm einen kleinen Teil des benötigten Betrages zu leihen.

Dazu wird das Unternehmen eine Anleihe auflegen. Es teilt die 500 Millionen Euro zum Beispiel in 100.000 Tranchen zu 5.000 Euro auf und schafft 100.000 Anleihen (auch Obligationen oder Rentenpapiere genannt) im Wert von jeweils 5.000 Euro. Eine Anleihe ist ein Schuldschein, der von den Anlegern erworben („gezeichnet“) werden kann. In unserem Beispiel hat dieser Schuldschein einen Nominalwert von 5.000 Euro.

Das Unternehmen, das diese Anleihen geschaffen („aufgelegt“) hat (der „Emittent“), verpflichtet sich, dem, der diese Anleihen erwirbt, regelmäβig (meist einmal jährlich) Zinsen zu zahlen und nach einer gewissen Zeit (in der Regel nach mehreren Jahren) und zu einem im Voraus festgelegten Zeitpunkt den Nominalwert (in unserem Beispiel 5.000 Euro) zurückzuzahlen.

Eine Anleihe stellt also eine Schuld des Emittenten gegenüber dem Inhaber der Anleihe dar. Indem er eine Anleihe eines Unternehmens zeichnet, tut der Anleger also nichts anderes, als dem Unternehmen über einen bestimmten Zeitraum Geld zu leihen. Kauft er jedoch eine Aktie dieses Unternehmens, erwirbt er einen Teil des Unternehmens und wird Mitinhaber („Aktionär“).