Zahllos sind die Diskussionen darüber, ob im modernen Wirtschaftsleben Spekulation nützlich und wünschenswert oder als schädlich zu verurteilen ist.

Kritiker, wie der berühmte Automobilhersteller Henry Ford, sind der Ansicht, dass der Begriff „Spekulation“ nichts anderes bezeichnet als die Praxis, Geld durch das Manipulieren von Preisen zu verdienen, anstatt Produkte und Dienstleistungen anzubieten.

Die Befürworter der Spekulation argumentieren hingegen, dass Spekulanten eine wichtige Rolle spielen, weil sie bereit sind, Risiken einzugehen, die andere nicht eingehen wollen.

Nehmen wir das Beispiel eines groβen Landwirts, der Getreide produziert. Der Marktpreis für dieses Getreide liegt heute auf einem guten Niveau, doch weiβ der Landwirt nicht, ob der Preis nicht gesunken sein wird, wenn er sein Getreide in fünf Monaten ernten wird. Um sicher zu gehen, dass er für sein Getreide den guten Preis von heute erzielt, kann er sein Getreide heute schon zum aktuellen Preis verkaufen, wobei dieses erst nach der Ernte in fünf Monaten ausgeliefert und bezahlt wird. Unser Landwirt kann nun ruhig schlafen, er braucht keine Angst mehr vor fallenden Getreidepreisen zu haben.

Im Gegenzug trägt nun der Käufer des Getreides das Risiko, dass der Getreidepreis fällt und er einen Verlust erleiden wird, wenn er es in fünf Monaten verkauft. Genau wie unser Landwirt weiβ der Käufer des Getreides nicht, auf welchem Niveau der Getreidepreis in fünf Monaten liegen wird, er trifft eine Entscheidung in der Ungewissheit, und er nimmt das Risiko eines rückläufigen Getreidepreises in Kauf. Aber er wird dieses Risiko eingehen, wenn er der Ansicht ist, dass der Getreidepreis in den kommenden fünf Monaten nicht sinken, sondern steigen wird und er also einen Gewinn erzielen kann, indem er das Getreide teurer verkaufen wird als er es heute einkauft. Er spekuliert also auf einen Anstieg des Getreidepreises.

Wenn der Getreidepreis tatsächlich steigt, macht der Spekulant einen Gewinn, wenn er das Getreide verkauft. Dieser Gewinn ist die Belohnung dafür, dass er ein gewisses Maβ an Unsicherheit akzeptiert hat und das Risiko fallender Getreidepreise eingegangen ist, das unser Landwirt nicht eingehen wollte. Indem er Risiken eingeht, erlaubt der Spekulant demnach anderen Akteuren, sich dieser Risiken zu entledigen.

Sie stellen sich nun vielleicht die Frage, ob der Spekulant einen Gewinn auf Kosten unseres Landwirts erzielt hat.

Dieser hätte in der Tat für sein Getreide einen höheren Preis erzielen können, wenn er die Ernte abgewartet und sein Getreide erst in fünf Monaten verkauft hätte. Nun, die Differenz zwischen diesem höheren Preis und dem Preis, zu dem er sein Getreide heute verkauft hat, ist nichts anderes als der „Preis“ für die Sicherheit, keine Verluste durch sinkende Getreidepreise zu erleiden.