Es gibt zwei Situationen im menschlichen Leben, in denen man nicht spekulieren sollte: Wenn man es sich nicht leisten kann, und wenn man es kann.

Mark Twain (30. November 1835 – 21. April 1910), amerikanischer Schriftsteller

Die Spekulation, und die Menschen, die sie praktizieren – die Spekulanten – haben seit jeher in der Öffentlichkeit einen eher zweifelhaften Ruf. Verstärkt wurde dieser zweifelhafte Ruf noch mit der Finanzkrise von 2008, die nach Ansicht vieler von den bösen Spekulanten ausgelöst wurde.

Doch all jene, die Spekulanten und ihre Aktivitäten so leidenschaftlich verurteilen, sind sich nicht bewusst, dass wir alle spekulieren, bewusst oder unbewusst, und das jeden Tag.

Jedes Mal, wenn wir eine Entscheidung treffen, bei der wir auf ein Ereignis setzen, von dem wir profitieren werden oder das uns erlauben wird, unsere Ziele zu erreichen, aber nicht wissen, ob dieses Ereignis tatsächlich eintreten wird, tun wir nichts anderes als spekulieren. Und unser Alltag ist voll von solchen Entscheidungen. Manche sind banal, andere von groβer Bedeutung:

unsere Entscheidung, eher diesen Weg zur Arbeit einzuschlagen als einen anderen, in der Hoffnung, dadurch weniger Zeit im Stau zu verlieren;
die Wahl einer bestimmten Studienrichtung, von der wir hoffen, dass sie uns zu uns zu einem interessanten und gut bezahlten Job verhelfen wird;
unsere Entscheidung, zu heiraten, weil wir hoffen (und je verliebter wird sind, desto stärker sind wir davon überzeugt), den Partner fürs Leben gefunden zu haben;

Selbstverständlich können wir versuchen, so viele nützliche Informationen wie möglich zusammenzutragen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, doch solange es keine absolute Sicherheit dafür gibt, dass das, was wir erwarten, tatsächlich eintritt, beruht jede Entscheidung zu einem gewissen Grad auf Spekulation.

Spekulation ist eine Wette auf die Zukunft. Oder, wie es der amerikanische Finanzier Bernard M. Baruch (1870-1965) formulierte : Ein Spekulant ist ein Mensch, der die Zukunft beobachtet und agiert, bevor diese stattfindet.

Spekulation setzt immer voraus, ein gewisses Risiko einzugehen.

Im Finanzbereich besteht Spekulation darin, eine bestimmte Menge einer Ware zu erwerben oder zu verkaufen,

  • in der Hoffnung, dass sich der Preis dieser Ware so entwickeln wird, dass wir einen Gewinn erzielen, wenn wir sie später entweder teurer verkaufen oder billiger zurückkaufen,
  • und dabei das Risiko eingehen, Geld zu verlieren, wenn sich der Preis dieser Ware nicht so entwickelt, wie wir es erwarten.

Zahlreiche Waren und Güter eignen sich zum Spekulieren: in erster Linie natürlich Aktien, aber auch Anleihen, ausgefeilte Finanzinstrumente, Edelmetalle wie Gold und Silber, Währungen, Rohstoffe, Immobilien, Kunstwerke oder Sammelobjekte, edle Weine…