Auch wenn diese Fragen relativ banal erscheinen: Die Antworten darauf sind es nicht, ganz im Gegenteil. Bei der Suche nach der richtigen Antwort sollten Sie zwei grundlegende Prinzipien nie aus den Augen verlieren:

An der Börse bildet sich der Preis einer Aktie nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage: Wenn viele Investoren eine Aktie kaufen wollen, jedoch nur wenige bereit sind, diese zu verkaufen, steigt ihr Preis, weil die kaufwilligen Investoren bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen, um die Inhaber der Aktien dazu zu bewegen, zu verkaufen.

Umgekehrt wird der Kurs einer Aktie sinken, wenn viele Anleger diese verkaufen wollen, aber nur wenige Investoren daran interessiert sind, diese zu kaufen. Die Aktieninhaber werden dann einen niedrigeren Preis verlangen in der Hoffnung, dass potentielle Investoren dann eher bereit sind, ihnen ihre Aktien abzukaufen.

Erfahrene Anleger treffen ihre Entscheidung, eine Aktie zu kaufen oder zu verkaufen, nicht aufgrund ihrer Kursentwicklung in der Vergangenheit, sondern aufgrund ihrer Meinung darüber, wie sich der Kurs dieser Aktie in Zukunft entwickeln wird.

Die Meinungen darüber gehen zum Glück auseinander. Damit eine Institution wie die Börse funktioniert, ist es sogar unabdingbar, dass dort diametral entgegengesetzte Ansichten aufeinandertreffen. Denn jedes Mal, wenn jemand eine Aktie kauft, muss es jemand anderen geben, der diese verkauft. Der Käufer ist natürlich der Ansicht, dass ihr Kurs steigen wird, sonst würde er nicht kaufen. Der Verkäufer einer Aktie hingegen ist selbstverständlich der Meinung, dass ihr Kurs fallen wird, sonst würde er nicht verkaufen. (Und jeder der beiden ist überzeugt, der cleverste zu sein und Recht zu haben.)

Das erklärt die alte Börsenweisheit: An der Börse werden keine Wertpapiere gehandelt, sondern Meinungen.

Da eine Aktie das Eigentum an einem Unternehmen darstellt, sollte ihr Kurs den Wert dieses Unternehmens widerspiegeln. Aus diesem Grund haben Finanzinstitute, Vermögensverwalter und Anlageberater zum Teil sehr komplexe Techniken entwickelt, um ein Unternehmen und sein Geschäftsmodell zu analysieren, die Märkte, auf denen es tätig ist, die Entwicklung seiner Konkurrenten, seine Fähigkeit, neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und Gewinne zu erwirtschaften … Sie vergleichen dann den von ihnen geschätzten Wert des Unternehmens mit seinem Aktienkurs und versuchen daraus abzuleiten, ob die Aktie dieses Unternehmens billig ist oder nicht.

Der Kurs einer Aktie hängt somit weitgehend davon ab, wie die Investoren die künftige Entwicklung des betreffenden Unternehmens einschätzen.

Entscheidungen, an der Börse zu kaufen oder zu verkaufen, können also auf sehr reiflichen Überlegungen beruhen, sie können aber auch völlig irrational sein. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie kaufen, weil „alle anderen“ auch kaufen, oder wenn Sie verkaufen, weil alle anderen verkaufen. Was einen Kritiker zu der Aussage bewog, der Kurs einer Aktie habe nichts mit ihrem Wert zu tun, sondern mit der Angst oder der Gier der Anleger. (Wie alle Börsenweisheiten ist auch dies vielleicht nicht völlig richtig, aber es ist sicherlich auch nicht völlig falsch.)

Was auch immer die Motivation eines Anlegers sein mag, jede Transaktion an einer Börse ist in einem mehr oder weniger hohen Maβe Spekulation.