In diesem Beitrag werden Sie sehen, dass nicht nur Waren und Dienstleistungen einen Preis haben, sondern auch die Unsicherheit, die Angst und das Risiko.
Stellen Sie sich vor, ich nehme Sie mit ins Schwimmbad und fordere Sie auf, einen Kopfsprung vom Zehnmeterbrett zu machen. Wenn Sie leidenschaftlich gerne und oft solche Kopfsprünge machen, werden Sie wahrscheinlich nicht zögern und springen. Wenn Sie jedoch, so wie ich, Schwimmbecken hassen und ein Sprung in eine Wasserpfütze das allerletzte ist, das Ihnen morgens beim Aufstehen in den Sinn kommt, werden Sie ganz sicher nicht bereit sein, auf diesen Turm zu steigen und sich hinunterzustürzen.
Ich habe dann zwei Möglichkeiten: Entweder ich verzichte auf das Schauspiel, Sie einen Kopfsprung machen zu sehen, oder ich versuche, Sie zu überzeugen, trotz Ihrer Bedenken zu springen. Da ich ein netter Kerl bin, verzichte ich mal auf den Einsatz von Drohungen oder Waffengewalt und verspreche Ihnen vielmehr eine Belohnung, ein Stück Schokolade vielleicht, oder zwei, oder eine Pizza…, je nachdem. Ist der Anreiz erst einmal groβ genug, werden Sie sich vielleicht überwinden und springen, auch wenn Sie dabei eine Heidenangst haben.
Die Belohnung, die ich Ihnen anbiete, ist nichts anderes als der Preis, die Prämie, die ich zahlen muss, damit Sie Ihre Angst überwinden und etwas tun, was Sie eigentlich nicht tun möchten. Oder, um es mit dem Titel eines berühmten italienisch-französischen Films aus den 1950er Jahre zu sagen, es ist gewissermaβen „der Lohn der Angst“.
Nun stellen sie sich vor, ich bin Bankier und Sie wollen bei mir Geld leihen. Wenn ich sicher bin, dass Sie mir dieses Geld zu dem vereinbarten Zeitpunkt zurückzahlen werden, werde ich kein Problem haben, Ihnen einen bestimmten Geldbetrag zu leihen.
Wenn ich jedoch befürchte, dass Sie nicht sehr zuverlässig sind und das Geld, das ich Ihnen leihe, verprassen werden, dass es also ganz und gar nicht sicher ist, dass Sie mir das Geld eines Tages zurückzahlen werden, dass ich also mein Geld verlieren werde, dann werde ich nicht bereit sein, Ihnen ein Darlehen zu geben. Da Sie ebenfalls ein netter Kerl sind, schlieβen Sie die Alternative eines Banküberfalls einmal aus und suchen nach einer zivilisierteren Möglichkeit, mich davon zu überzeugen, Ihnen dennoch das Geld zu leihen, das Sie benötigen.
Aber wie? Nun, indem Sie mir anbieten, mir eine Prämie zu zahlen, mir also einen wesentlich höheren Betrag zurückzuzahlen, als ich Ihnen leihe. (In der Praxis ist es jedoch so, dass es die Bank ist, die von sich aus eine solche Prämie verlangt, und nicht der Kreditnehmer, der sie anbietet, doch das spielt hier keine Rolle, hier geht es nur darum, das Prinzip zu verstehen.)
Diese Prämie ist der Preis, den Sie zahlen müssen, damit ich bereit bin, mit einer gewissen Unsicherheit zu leben und das Risiko einzugehen, dass Sie mir das ausgeliehene Geld nicht zurückzahlen. Und je gröβer ich dieses Risiko einschätze, umso höher wird diese Prämie ausfallen. Im Finanzwesen nennt man diese Prämie eine „Risikoprämie“.