Wenn Sie in einen Investmentfonds investieren, so tun Sie das über Ihren Bankbeamten oder Anlageberater. Sie wissen auch, dass ein professioneller Fondsmanager den Fonds verwaltet, in den Sie investieren.

Doch diese beiden Akteure sind nur die Spitze des Eisbergs, der ein Investmentfonds in der Praxis ist. Damit ein Investmentfonds funktioniert, arbeiten eine ganze Reihe unterschiedlicher hochspezialisierter Fachleute Hand in Hand.

Am Ursprung jedes Investmentfonds steht der Fondsanbieter oder Fondspromoter. Er ergreift die Initiative zur Gründung des Fonds. In der Regel handelt es sich dabei um ein Finanzinstitut (eine Bank, ein Vermögensverwalter, ein Anlageberater…).

Während der Gründungsphase des Fonds sind es zuerst die Juristen und Steuerexperten, die sich Gedanken über die am besten geeignete rechtliche Form des Fonds machen. Diese hängt von zahlreichen Überlegungen ab: An welche Anleger richtet sich der Fonds? Worin will er investieren? In welchen Ländern und Regionen wird er investieren? Wie verwendet er die erwirtschafteten Gewinne? Wie werden diese Gewinne besteuert? Wie sieht das Vertriebsnetz des Fonds aus?… Diese Fachleute erstellen dann die Gründungsdokumente des Fonds, verfassen die Verträge mit den Dienstleistern, mit denen der Fonds zusammenarbeiten wird, und kümmern sich um alle notwendigen Schritte, damit der neue Fonds eine Zulassung durch die Aufsichtsbehörde erhält.

Ist der Fonds erst mal gegründet und zugelassen, beginnt die Suche nach Anlegern, die sich an dem Fonds beteiligen wollen, indem sie dessen Aktien oder Anteile erwerben („zeichnen“). Die Zeichnungsaufträge – ebenso wie später die Anträge auf Rücknahme der Fondsanteile – werden von der Register- und Transferstelle entgegengenommen und verwaltet. Diese ist der Mittelsmann zwischen den Anlegern, den Vertriebsstellen des Fonds und dem Investmentfonds selbst.

Wir haben bereits gesehen, dass ein Investmentfonds gesetzlich dazu verpflichtet ist, die Verwahrung des Fondsvermögens (also der Aktiva des Fonds) – seien es liquide Mittel, die noch nicht investiert wurden, Aktien, Anleihen, Derivate oder andere Finanzinstrumente, in die der Fonds investiert hat – einer Depotbank anzuvertrauen. Diese verwaltet die Aktiva des Fonds und ist ganz allgemein dafür verantwortlich, dass alle Transaktionen, die die vom Fonds gehaltenen Aktiva betreffen, ordnungsgemäβ durchgeführt werden.

Der Fondsmanager investiert das vom Fonds bei den Anlegern eingesammelte Geld, indem er für den Fonds entsprechend der im Voraus festgelegten Anlagestrategie kauft und verkauft, immer mit dem Ziel, für den Anleger die bestmögliche Wertsteigerung zu erzielen. Dazu greift er häufig auf die Unterstützung von Analysten zurück, um die interessantesten Vermögenswerte zu ermitteln.

Alle Transaktionen, die sich auf die Aktiva des Fonds auswirken, müssen verbucht werden. Neben der Erfassung dieser Transaktionen ermittelt der Fondsbuchhalter ebenfalls den Wert der vom Fonds gemachten Investitionen und berechnet den Wert der Fondsanteile oder –aktien, den sogenannten „Nettoinventarwert“.

Die Domizilstelle stellt dem Fonds eine Adresse für seine Korrespondenz zur Verfügung und kümmert sich um alle betrieblichen Aspekte des Fonds.

Die Aufgabe des Compliance Officer – dessen Funktion gesetzlich vorgeschrieben ist – besteht darin, den Fonds vor jedwedem Schaden zu bewahren, der ihm durch Nichtbeachten rechtlicher, aufsichtsrechtlicher oder deontologischer Bestimmungen entstehen könnte.

Die jährlichen Rechenschafts- und Finanzberichte des Fonds müssen von einem zugelassenen Wirtschaftsprüfer überprüft werden. Dieser analysiert darüber hinaus auch die wichtigsten Prozesse zur Berechnung des Nettoinwentarwerts des Fonds sowie die internen Mechanismen zur Kontrolle dieser Prozesse.

Heutzutage verlangen die Aufsichtsbehörden von vielen Managementgesellschaften und Investmentfonds ein professionelles Risikomanagement. Aufgabe dieser Funktion ist es, sämtliche Risiken, denen der Fonds ausgesetzt ist oder ausgesetzt sein könnte, zu ermitteln und die erforderlichen Maβnahmen auszuarbeiten und umzusetzen, um diese Risiken zu messen, zu handhaben und zu kontrollieren.

Da ein Investmentfonds ein reguliertes Anlagevehikel ist, unterliegt er der Kontrolle durch die zuständigen Aufsichtsbehörden. Dies gilt ebenfalls für die Managementgesellschaften und die Manager alternativer Investmentfonds.

Die immer gröβere Komplexität des Fondssektors hat dazu geführt, dass sich in Luxemburg im Laufe der vergangenen Jahre in diesen verschiedenen Bereichen spezialisierte Unternehmen etabliert haben.

Die von der ALFI herausgegebene französischsprachige Broschüre « Faire carrière dans les fonds d’investissement » gibt einen detaillierteren ÜberblIck über die verschiedenen Berufe und inspiriert Sie vielleicht, eine Karriere in der Fondsindustrie anzustreben.

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