Nehmen wir als Beispiel den deutsche Dax, den Referenzindex der Frankfurter Börse. Um diesen Index zu berechnen, berücksichtigt man die Börsenkurse der 30 grössten deutschen Unternehmen, deren Aktien ebenfalls am meisten an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Die Gewichtung der verschiedenen Aktien hängt mit deren täglichen Handelsvolumen und der Zahl der sich im Umlauf befindlichen Aktien zusammen. So hat die Aktie des Versicherungsunternehmens Allianz einen Anteil von 7,97%, die des Automobilherstellers Daimler einen Anteil von 8,11%, die des Halbleiterherstellers Infineon jedoch nur ein Gewicht von 1,68%*.

Um den Dax abzubilden, wird der Fondsmanager also 7,97% der vom Fonds eingesammelten Anlagegelder in Allianz-Aktien investieren, 8,11% in Daimler-Aktien, 1,68% in Infineon-Aktien usw., bis er alle 30 Dax-Aktien in seinem Portfolio hat. Steigt der Dax – was bedeutet, dass die Kurse der in ihm vertretenen Aktien steigen – kann der Fondsmanager sicher sein, dass der Wert des Fondsvermögens im selben Verhältnis steigt. (Wegen der Kosten, die mit dem Kauf und der Verwahrung der Aktien und mit der administrativen Verwaltung des Fonds verbunden sind, ist die Performance des Fonds stets etwas niedriger als die seines Referenzindex.)

Was bedeutet dies in der Praxis?

Für den Fondsmanager: Ein ruhigeres Leben. Da die Zusammensetzung eines Börsenindex öffentlich bekannt ist, reicht es aus, wenn er seine Investitionen präzise daran ausrichtet, um eine Wertentwicklung zu erzielen, die nicht allzu stark vom Index abweicht. Gleichzeitig kann er sich alle kostspieligen Recherchen und Analysen sparen. Im Gegenzug wird seine Performance auf diese Weise aber auch niemals besser sein als der Index.

Für den Anleger: deutlich niedrigere Kosten. Da ein passiv gemanagter Fonds keine Investmentanalysen finanzieren muss, sind seine Betriebskosten – die stets in Form verschiedener Gebühren und Provisionen auf den Anleger abgewälzt werden – sehr gering im Vergleich zu aktiv verwalteten Fonds. So betragen die Gebühren, die dem Anleger bei der Zeichnung von Fondsanteilen in Rechnung gestellt werden, häufig nur einen Bruchteil von jenen, die bei aktiv gemanagten Fonds anfallen.

Was die Performance des Fonds anbetrifft, so haben wir gesehen, dass sie dem abgebildeten Index folgt. Steigt der Index, erhöht sich ebenfalls das Fondsvermögen, aber niemals stärker als der Index. Fällt der Index jedoch – ein Zeichen für einen rückläufigen Markt – sinkt auch das Fondsvermögen, und zwar genauso stark wie der Index.

Ein passiv gemanagter Fonds bietet also nicht die Chance, eine Performance zu erzielen, die besser ist als der Börsenindex, hat aber auch nicht das Risiko, dass die Performance deutlich schlechter ausfällt als der Index.

Passiv gemanagte Fonds werden häufig an der Börse gehandelt – es sind dies die Exchange Traded Funds oder ETFs – so dass der Anleger diese Fonds zu jeder Zeit kaufen und verkaufen kann.

* Stand 27. Mai 2016